Hintergrundbild

Aufwachsen ohne Gewalt

Alle Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung


Nahaufnahme einer geballten Faust Gewaltfreiheit

Dies gilt auch in der Bundesrepublik Deutschland. Das ist wichtig zu betonen, denn viele Menschen gehen davon aus, dass in unserer Gesellschaft Gewalt in der Erziehung von Kindern nicht mehr vorkommt und deshalb nicht mehr Thema sein muss. Leider ist das nicht so, weshalb „Aufwachsen ohne Gewalt“ auch im NAP ein eigenes wichtiges Kapitel ist.

Wenn man sich mit Gewalt beschäftigen will, muss man die verschiedenen Formen
von Gewalt kennen, denn Gewalt kann sehr unterschiedlich sein.
Es gibt direkte Gewalt, die durch einzelne Personen an anderen Personen ausgeübt wird. Für Kinder bedeutet das, selbst Gewalt innerhalb der Familie, der Verwandtschaft oder auch der Schule zu erfahren.

Es gibt aber auch indirekte Gewalt, wie zum Beispiel die Gewaltdarstellungen in den Medien.
Auch psychische Gewalt an Kindern ist eine ernstzunehmende Form von Gewalt. Darunter versteht man zum Beispiel, wenn Eltern ihr eigenes Kind ablehnen oder ihm keine Aufmerk- samkeit oder Zuneigung schenken. Materielle Armut von Kindern gehört auch dazu.
Das Thema sexuelle Gewalt wird ebenfalls im NAP erwähnt und muss thematisiert werden, wenn Deutschland kindergerecht werden will.

Im NAP verpflichtet sich die Bundesrepublik Deutschland, allen Kindern ein Aufwachsen ohne Gewalt zu ermöglichen.

Gewalt und Vernachlässigung in der Erziehung

Leider passiert es immer noch sehr häufig, dass Kinder zuhause körperliche Gewalt erfahren. Aber auch schon das Anschreien und Erniedrigen/Beleidigen von Kindern oder das Ignorieren ihrer Bedürfnisse wird als Gewalt bewertet.
Diese Arten von Gewalt in der Erziehung kann für Kinder extreme Folgen haben:
Opfer werden in der Jugend überdurchschnittlich oft drogenabhängig oder begehen Straftaten. Viele Opfer üben später an ihren eigenen Kindern auch Gewalt aus. Damit dieser Teufelskreis unterbrochen werden kann, hat die Bundesregierung einige Pläne ausgearbeitet.

Alle Kinder, die Opfer von Gewalt werden, brauchen besonderen Schutz und Hilfe. Und das nicht nur für kurze Zeit, sondern langfristig. Diese Hilfen wollen der Bund und die Länder ausbauen.

Aber nicht nur nach Gewalttaten, sondern auch schon davor, also bevor Kinder überhaupt Gewalt erfahren, will die Bundesrepublik etwas unternehmen. Es gibt viele Erkenntnisse, dass Eltern in schwierigen Situationen, zum Beispiel wenn sie wenig Geld haben, ihren Frust an den Kindern auslassen. Das soll geändert werden. Eltern in schwierigen Lebenssituationen brauchen besondere Hilfe. Sie sollen lernen, ihren Frust anders zu verarbeiten und ihn nicht an den Kindern auszulassen. Dies können sie in Familienbildungseinrichtungen lernen. Für solche Einrichtungen will der Staat mehr Geld zur Verfügung stellen.

Auch Lehrerinnen und Lehrer, Ärzte und Ärztinnen, Erzieher/innen, Jugendarbeiter/innen und viele mehr sollen lernen, wie sie mit Eltern üben können, ihren Kindern keine Gewalt zuzufügen. Das braucht viel Zeit und Geduld von den einzelnen Personen und das Wissen, wie man so etwas vermittelt.

Kinder als Zeugen und Beteiligte von Partnergewalt

Viele Kinder erleben Gewalt in der eigenen Familie. Dabei sind die Kinder selbst oft gar nicht direkt von Gewalt bedroht, sondern sehen oder hören Gewalttaten zwischen den Eltern.
Alleine das direkte Miterleben von Gewalt kann extrem negative Folgen für die Entwicklung der Kinder haben.
Auch bei dieser Form von Gewalt ist es wichtig, die Kinder zu schützen und ihnen Hilfe anzubieten. Gleichzeitig brauchen aber auch die Eltern Hilfe. Denn sie sollen lernen, Konflikte anders zu lösen. Dazu braucht es in ganz Deutschland geeignete Personen und Anlaufstellen, die den Kindern und den Eltern helfen können.


Gewalt unter Kindern und Jugendlichen

Dass Kinder und Jugendliche nicht nur Opfer sind, sondern auch selbst gewalttätig werden, ist bekannt. Auch das sieht die Bundesrepublik als großes Problem an und will einiges daran ändern.

Zum Beispiel werden in der Schule unter den Mitschülerinnen und Mitschülern oft mehr als nur kleine Raufereien ausgetragen. Richtige Gewalttaten gegen Mitschüler/innen oder aber auch psychische Gewalt, wie z.B. Mobbing, werden immer häufiger. Gerade in der Schule wird der Leistungsdruck immer höher und manche Kinder oder Jugendliche können sich nur noch durch Gewalt Anerkennung verschaffen.

Es gibt schon einige Ideen, was gegen Gewalt an Schulen getan werden kann. Ein Beispiel ist die Einrichtung von Streitschlichterprojekten an Schulen. Das sind Schülerinnen und Schüler, die extra dafür ausgewählt und ausgebildet werden, einzugreifen und zu schlichten, wenn sie Streit und Gewalt an der Schule bemerken. Oder es gibt Unterrichtsstunden, die ein Antiaggressionstraining zum Thema haben. Hier können alle Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie mit eigener Aggression umgehen können, wann Aggression normal ist, wann es gefährlich wird und vieles mehr. Diese Programme und Ideen sollen weiter ausgebaut und verbreitet werden.

Dass Kinder oder Jugendliche untereinander gewalttätig werden, gibt es natürlich nicht nur in der Schule, sondern zum Beispiel auch im Jugendtreff, in der Nachbarschaft, im Sportverein und so weiter. Auch hier müssen Maßnahmen, die Gewalt vermeiden, eingesetzt und durchgeführt werden.
Wenn Kinder oder Jugendliche Opfer von Gewalttaten anderer Kinder oder Jugendlicher wer- den, wissen sie im ersten Moment oft gar nicht, dass das, was ihnen angetan wird, falsch ist und dass sie das Recht auf Hilfe haben. Wenn Kinder und Jugendliche in solchen Fällen Hilfe in Anspruch nehmen sollen, muss es auch genügend bekannte und nahe Anlaufstellen geben. So könnte es zum Beispiel an jeder Schule eine Vertrauenslehrerin oder einen Vertrauenslehrer geben, der speziell bei Gewaltproblemen helfen kann.
Außerdem will die Bundesrepublik allen straffällig gewordenen Kindern und Jugendlichen helfen. Denn sie nur zu bestrafen, würde ihre Aggression und Gewalt nicht vermindern. Deshalb muss es besondere Einrichtungen und Angebote geben, in denen sie lernen können, mit ihren Aggressionen umzugehen.

Medien und Gewalt


Da das Fernsehen und andere neue Medien in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einen immer höheren Stellenwert einnehmen, müssen sie besonders behandelt werden. Unter neuen Medien versteht man alle Möglichkeiten des Internets, der Computerspiele, der Handys und vieles mehr.

Es gibt sehr viele Filme, Computerspiele und Homepages mit Gewaltdarstellungen. Dadurch wird Gewalt verharmlost. Das heißt, je öfter Bilder mit Gewalt in den Medien auftauchen, umso mehr denkt man, dass dies eine normale Umgangsform ist. Dadurch wird die Schwelle, selbst Gewalt im „realen“ Leben anzuwenden, niedriger.
Deshalb will die Bundesregierung zum einen die Gewalt in den Medien für Kinder und Jugendliche verringern. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) setzt Filme für Kinder und Jugendliche mit unangemessenen Gewaltdarstellungen auf die Verbotsliste. Danach ist die Verbreitung der Filme an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren unzulässig.

Gewaltdarstellungen im Internet sind dagegen schwerer zu verbieten. Auch deshalb sollen Kinder und Jugendliche eigenständige Medienkompetenz erwerben. Medienkompetenz bedeutet, dass man zum Beispiel weiß, wie man das Internet benützt, welche Homepages gut und interessant sind und wie man sich selbst vor unseriösen Seiten schützen kann.
Die Bundesregierung hat Angebote zur Entwicklung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen erarbeitet: So gibt es eine Informationskampagne „Schau hin!“. Sie ist für Eltern, Lehrer/innen und Pädagog/innen gedacht, um Kindern ganz konkret Medienkompetenz beizubringen.

Themenveranstaltung

Zum Themenbereich "Aufwachsen ohne Gewalt" fand die Themenveranstaltung „Prävention von Gewalt unter Kindern und Jugendlichen“ am 6. Oktober 2009 in Hamburg statt.
Die Dokumentation der Veranstaltung findet sich sowohl auf den Seiten der Initiative Für ein kindergerechtes Deutschland als auch auf den Seiten des Deutschen Jugendinstituts (DJI).
Hier findet sich zudem das Fazit der Jugendbeteiligung an den Themenveranstaltungen.