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Best Practice: Gesundes Leben und Umwelt

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Kindergipfel

Den Kindergipfel gibt es seit 1991. Seit 2000 wird er von der Naturfreundejugend Deutschlands organisiert. Die Idee ist, Kindern ein Forum zu geben, in dem sie sich über politische Themen austauschen können, die sie interessieren.

Sag was Du denkst! Den Politiker/innen die eigene Meinung sagen
Bestimmen macht Spass Gemeinsam fuer eine gesunde und oekologische Zukunft
Mit guten Argumenten ueberzeugen Sich Gehoer verschaffen

Ziele:
Ziel war die Verabschiedung eines Zukunftsvertrags mit Forderungen und Selbstverpflichtungen zur biologischen Vielfalt. Dieses Ziel wurde erreicht. Der Zukunftsvertrag sollte mit Entscheidungsträgern diskutiert werden, um Unterstützung für sie zu erhalten. Auch dieses Ziel wurde erreicht. Am 29. Mai 2008 wurde der Zukunftsvertrag im Ministersegment der UN-Naturschutzkonferenz dem Bundesumweltminister überreicht, der Unterstützung signalisiert hat.

Maßnahme:
• Das erste Treffen des Kinderrats findet vom 26. bis 28.10.2007 in Bonn statt. Auf dem Treffen verständigt sich der Kinderrat nach einer Einführung in das Thema „Biologische Vielfalt“ auf das Motto „Kaufen wir uns die nächste Erde?“ für den Kindergipfel 2008. Der Kinderrat legt die Workshopthemen fest, benennt Wunschkandidaten für Gäste und Schirmherren und macht sich Gedanken zur Rahmengestaltung. Die Punkte, die mit der Stadt abzustimmen sind, werden für die Vereinbarung, die beim zweiten Treffen unterzeichnet werden soll, zusammengetragen.
• Zwischen den Treffen betreut der zuständige Referent der Naturfreundejugend Deutschlands den Kinderrat. In dieser Zeit läuft die Kommunikation in erster Linie über eine Mailingliste. Einzelne Mitglieder des Kinderrats aus der Stadt Bonn und Umgebung nehmen zwischen den Treffen an einem zusätzlichen Gespräch zur Vorbereitung des Rahmenprogramms mit der Stadt Bonn teil.
• Das zweite Treffen des Kinderrates findet vom 18. bis 20. Januar 2008 statt. Auf diesem Treffen wird eine schriftliche Vereinbarung mit der Stadt Bonn getroffen.
• Am 05.04.2008 treffen sich einige Mitglieder des Kinderrats in Bonn um die Stellungsnahmen der Ministerien zum Zukunftsvertrag 2006 auszuwerten und eine Präsentation für den Kindergipfel zu erstellen.
• Vom 01.05. bis zum 04.05.2008 findet der Kindergipfel in Bonn statt.
• 01.05.2008: Die 115 TeilnehmerInnen reisen an und werden in der Aula der Gesamtschule Beuel von Frau Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, und Frau Bärbel Dieckmann, Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, feierlich begrüßt. Wie bei jedem Kindergipfel gibt es eine große Kindergipfeltorte.
• 02.05.2008: Die TeilnehmerInnen arbeiten in acht Workshops zu den vom Kinderrat gewählten Themen. Am Abend werden sie im Museum König zu einer exklusiven Führung empfangen.
• 03.05.2008: Die TeilnehmerInnen formulieren ihre Forderungen und Selbstverpflichtungen für den Zukunftsvertrag. Sie stellen ihre Ergebnisse im Plenum vor, diskutieren und verabschieden schließlich den Zukunftsvertrag 2008. Dieser wird von allen unterzeichnet. Nach einem Training in „Politikersprech“ beginnen die Diskussionsrunden mit den PolitikerInnen. Die Gäste sind Ulrich Kelber (MdB, SPD), Jürgen Kucharczyk (MdB, SPD), Elisabeth Winkelmeier-Becker (MdB, CDU), Paul Schäfer (MdB, LINKE), Doro Pass-Weingartz (Grüne) und Ulrike Höfken (MdB, Grüne)
• Die Abschlussveranstaltung des Kindergipfels findet im Gobelinsaal des Bonner Rathauses statt. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller, Henning Wüster vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen, Annika Vogt von der Weltnaturschutzunion und Ute Zolondek vom Umweltamt der Stadt diskutieren mit den Kindern. Shary Reeves vom WDR moderiert die Veranstaltung. Am Ende wird den Gästen der Zukunftsvertrag übergeben.
• Am 27.05.2008 stellt der Kinderrat den Zukunftsvertrag auf der internationalen Bürgermeisterkonferenz im Rahmen der UN-Naturschutzkonferenz vor und überreicht den Zukunftsvertrag an BürgermeisterInnen aus aller Welt.
• Am 29.05.2008 stellt der Kinderrat den Zukunftsvertrag im Ministersegment der UN-Naturschutzkonferenz vor. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nimmt den Zu-kunftsvertrag entgegen und verspricht die Anliegen der Kinder zu unterstützen.


Ergebnisse:
  • Das Ergebnis ist der Zukunftsvertrag 2008 mit 24 Forderungen und 24 Selbstverpflichtungen zum Thema Biologische Vielfalt.
  • Der Kinderrat hat zur Darstellung der Umsetzung der Forderungen von 2006 ein kleines Theaterstück entwickelt, dass die Leistungen der PolitikerInnen kritisch beleuchtet und die TeilnehmerInnen des Kindergipfels 2008 für ihre Arbeit motivieren soll.
  • Im Rahmen des Kindergipfels wurden Pressemitteilungen herausgegeben und Pressekonferenzen organisiert. Auf der Webseite www.kindergipfel.de wurde kontinuierlich und live von der Veranstaltung berichtet. Im Kinderpressezentrum haben die TeilnehmerInnen ihre eigene Kindergipfelzeitung produziert und aktuelle Beiträge für die Webseite verfasst.
  • Über den Kindergipfel wurde in Zeitungen, im Funk und Fernsehen sowie im Internet regional und überregional viel berichtet. Die Nachricht vom Zukunftsvertrag und über den Auftritt auf der UN-Naturschutzkonferenz wurde über die Deutsche-Presse-Agentur verbreitet. Der WDR widmete dem Kindergipfel eine eigene Ausgabe der Sendung „Neuneinhalb“ (www.neuneinhalb.wdr.de, Sendung vom 31.05.2008).

Zukunftsvertrag des Kindergipfels 2008 (Forderungen)
Gerechte Weltwirtschaft

"Geld, Geld, Geld über alles in der Welt?"

1. Wir fordern eine Verbesserung der Rahmenregeln in der Weltwirtschaft. Hierzu zählen für uns die Abschaffung von Kinderarbeit, eine Reduzierung des industriellen Wasserverbrauchs und verstärkte bzw. verbesserte Kontrollen in den Firmen.
2. Wir fordern die weltweiten Großkonzerne auf, die Zerstörung und die Vernichtung von Tierarten und deren Lebensräumen zu stoppen.
3. Wir fordern bessere Gesetze zur Kennzeichnung von Produkten, um so Konsumenten auf bedenkliche Konzerne aufmerksam zu machen.

Armut
"Wem gehört die Natur?"

1. Wir fordern, dass mehr Geld für Entwicklungshilfe ausgegeben wird.
2. Wir fordern, dass die Politiker in Deutschland mit den Betroffenen in den Entwicklungsländern kommunizieren und dass deren Sicht berücksichtigt wird.
3. Wir fordern, dass keine Ausbeutung in Entwicklungsländern unterstützt wird.

Nachhaltigkeit lernen
"Heute schon an morgen gedacht?"

1. Wir fordern, dass man in der Schule mehr Nachhaltigkeit lernt. Wir wollen einen Unterricht, der mehr auf Teamwork als auf Konkurrenz setzt und wollen, dass Nachhaltigkeit in allen Schulfächern unterrichtet wird.
2. Wir fordern eine staatliche Kennzeichnungspflicht für alle Waren (Elektrogeräte, Kleidung, Nahrung usw.), um den Umweltverbrauch deutlich zu machen. Dabei soll erkennbar sein, z.B. anhand einer Ampel, ob ein Produkt nachhaltig hergestellt wird.
3. Wir fordern mehr Geld für kreative und effektive Werbung für die Nachhaltigkeit in der Öffentlichkeit.

Landwirtschaft
"Vielfalt auf den Acker!"

1. Wir wollen mehr staatliche Unterstützung für Biobauern und deren Produkte.
2. Wir fordern, dass Monokulturen abgeschafft werden und sich auf den Feldern verschiedene Anbau- und Brachezeiten sinnvoll abwechseln.
3. Die Grenzen für das Aufbringen von Spritzmitteln soll gesenkt werden und die Spritzmittel sollen stärker besteuert werden.

Energiegewinnung
"Das letzte Öl macht das Licht aus!"

1. Wir fordern die Politiker auf, andere Länder von der Nutzung der alternativen Energien zu überzeugen. Zusätzlich müssen Fördermittel für den Aufbau von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien bereitgestellt werden.
2. Wir fordern, dass Deutschland eine Vorbildfunktion bei der Nutzung erneuerbarer Energien einnimmt.
3. Wir fordern, dass Energiekonzerne sich verpflichten mehr Werbung für erneuerbare Energien zu machen und diese dann auch zu produzieren.


Forschung zu Biodiversität
"Von Medizinmännern und Biopiraten"

1. Wir fordern mehr Unterstützung für die Genforschung, aber gleichzeitig mit strengen Auflagen und Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte.
2. Wir fordern mehr Rücksicht auf die (Bio-)Bauern, z.B. durch einen angemessenen und sicheren Abstand von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen.
3. Wir fordern: Kein Patent auf Leben!

Bedrohte Arten
„Rettet Flocke“

1. Wir fordern strengere Gesetze ohne Ausnahmeregelungen, um die Jagd, den Handel und die Fischerei vom Aussterben bedrohter Arten zu stoppen, um ihr Aussterben zu verhindern.
2. Wir fordern die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen von 120 km/h und Steuern auf Flugbenzin und andere umweltschädliche Stoffe, da Klimawandel eine Ursache für das Artensterben ist.
3. Wir fordern, dass größere und mehr Naturschutzgebiete und Nationalparks ausgewiesen werden, in Deutschland insgesamt mindestens 15 % der Fläche. Darüber hinaus fordern wir auch weltweit die Einrichtung oder Ausdehnung von Schutzgebieten.

Lebensräume
„Tiere mit Migrationshintergrund“

1. Wir fordern den CO2-Ausstoß zu verringern, indem zum Beispiel neu erforschte CO2-verringernde Techniken eingesetzt werden.
2. Wir fordern zum Schutz der Artenvielfalt und besonders zum Schutz der fast ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten, dass schon halb zerstörte Lebensräume nicht weiter durch menschliche Eingriffe wie z.B. die Abholzung zerstört werden und darüber hinaus renaturiert werden, ggf. durch die Einrich-tung von Naturschutzgebieten.
3. Wir fordern, dass mehr Mülleimer in der Öffentlichkeit und in den Schulen zur Mülltrennung aufgestellt werden und dass mehr Energiesparlampen und Recycling-Produkte zu günstigeren Preisen angeboten werden, z.B. durch Steu-ersenkungen.



Der Zukunftsvertrag richtet sich in erster Linie an die Politik auf den verschiedensten Ebenen
o Kommunal: Strategien zum Schutz der biologischen Vielfalt vor Ort
o Landesebene: Naturschutz, Bildungspolitik
o Bundesebene: Stärkere Berücksichtigung der Nachhaltigkeit in allen Politikbereichen, z.B. im Bereich der Produktkennzeichnung, der Landwirtschaft, des Klimaschutzes usw.
o International: Rahmenbedingungen für eine gerechte Weltwirtschaft und Unterstützung der armen Länder, damit diese ihre biologische Vielfalt erhalten können.
Außerdem werden Unternehmen mit dem Zukunftsvertrag an ihre Verantwortung im ökologischen und sozialen Bereich erinnert.


 

Träger:
Naturfreundejugend Deutschlands

 
53424 Remagen

 
Haus Humboldtstein

E-Mail:
thiele[at]naturfreundejugend.de

Website:
http://www.kindergipfel.de