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Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Beteiligung


Man sieht drei Hände Hände, die entweder aufzeigen oder abstimmen. Beteiligung
Aber was bedeutet Beteiligung überhaupt? Kinder und Jugendliche müssen die Möglichkeit haben, ihre Interessen, Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Probleme überall dort einzubringen, wo es um ihre Belange geht.
Im Alltag in der Familie, bei der Gestaltung des Wohnumfelds, im Kindergarten und in der Schule, überall dort (und noch an vielen Orten mehr) sollen Kinder und Jugendliche mitreden dürfen.
Bei politischen Fragen sollen Kinder und Jugendliche einbezogen werden. Ein Beispiel dazu ist diese Webseite über den NAP, die ihr gerade lest. Durch die Webseite bekommen Kinder und Jugendliche Informationen über die politischen Themen und werden aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Das ist eine Form von Beteiligung.
Was es für weitere Formen der Beteiligung gibt, wird weiter unten genauer beschrieben.

Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte gehören zu einer funktionierenden Demokratie. Demokratie bedeutet, dass die Politik vom Bürger bzw. von der Bürgerin gemacht wird. Das passiert in Deutschland unter anderem durch Wahlen und durch die Möglichkeit, sich im Gemeinderat, im Stadtrat oder im Bundestag zu engagieren.
Aber Demokratie bedeutet auch, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche mitbestimmen. Dies ist in vielen Bereichen noch nicht selbstverständlich. Viele Kinder und Jugendliche wissen selbst oft gar nicht, dass sie das Recht haben mitzureden.
Dieses Recht ist im deutschen Gesetz sogar festgelegt: im Kinder- und Jugendhilfegesetz und in den entsprechenden Gesetzen der Länder.

Im NAP werden fünf unterschiedliche Beteiligungsformen für Kinder und Jugendliche beschrieben (Zitat): 
  1. Beteiligung von Jugendverbänden beispielsweise durch Jugendringe
     
  2. repräsentative Formen, zum Beispiel Kinder und Jugendparlamente, Schüler-und Schülerinnenvertretung
     
  3. offene Formen, zum Beispiel Kinder-Stadtteilversammlungen, -Sprechstunden und     -Gemeinderatssitzungen, Jugendforen
     
  4. projektbezogene Formen, zum Beispiel Zukunftswerkstätten, Workshops, Befragungen in konkreten Planungs- und Entscheidungsprozessen
     
  5. Beauftragten-Modelle, bei denen haupt- oder ehrenamtlich tätige Erwachsene bei Verwaltungen oder in politischen Entscheidungsgremien für die Interessen von Kindern und Jugendlichen eintreten (zum Beispiel eine Kinderanwältin)
Diese Beteiligungsformen sind in Deutschland weit verbreitet. Mittlerweile ist die Frage, ob man Kinder und Jugendliche beteiligt, nicht mehr so wichtig, wie die Frage, auf welche Weise es am besten funktionieren kann. Denn in einigen Bereichen sind bestimmte Beteiligungsformen auch schon gescheitert.
Zum einen ist es wichtig, dass sich Kinder und Jugendliche auf allen „Ebenen“ beteiligen können. Das heißt, bei Entscheidungen in der Gemeinde, aber auch bei Entscheidungen der Bundespolitik sollen Kinder und Jugendliche mitbestimmen können.
Außerdem steht im NAP, dass alle Kinder mitreden sollen, egal welcher Herkunft, egal ob reich oder arm, egal ob mit oder ohne Behinderung. Deshalb müssen neue Formen der Beteiligung erarbeitet und ausprobiert werden.

Ein erster Schritt, Beteiligung zu ermöglichen, ist, Kinder und Jugendliche gut zu informieren. Sie müssen wissen, wie und wo sie überall die Möglichkeit haben mitzubestimmen. Und sie müssen wissen, dass sie das Recht dazu haben. Denn es gibt immer noch Bereiche und Orte, wo Kinder nicht selbstverständlich mitreden dürfen.
Auch Erwachsene, also Eltern, Erzieher und Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen, Politiker und Politikerinnen brauchen Informationen über das Recht der Kinder auf Beteiligung.

Die wichtigsten Felder der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen:
 
Beteiligung in der Familie
Beteiligung in der Familie
In allen Familien, also überall da, wo einer oder mehrere Erwachsene mit Kindern zusammenleben, sollen Kinder die Möglichkeit haben, das gemeinsame Leben mitzubestimmen und zu gestalten. Gerade in der Familie kann Mitbestimmung ganz einfach und schon mit kleinen Kindern geübt und ausprobiert werden.
Was gibt es morgen zum Mittagessen? Wohin sollen wir am Sonntag gemeinsam unseren Ausflug machen?
Wie wird das eigene Zimmer gestaltet?
Das sind alles Fragen, bei denen Kinder ohne Probleme mitreden können und auch sollen.

Wenn Eltern sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern können, wird die Jugendhilfe, also das Jugendamt aktiv.
Sie hilft den Eltern bei der Erziehung und der Organisation des Familienlebens. Welche Hilfe angeboten wird und wie sie konkret umgesetzt wird, soll nicht nur mit den Eltern besprochen werden. Es ist ganz wichtig, auch die Kinder zu befragen, denn gerade um sie geht es bei diesen Hilfen. Das steht im Kinder- und Jugendhilfegesetz und das hat die Bundesrepublik im NAP noch einmal ausdrücklich versprochen.
 
Beteiligung im Kindergarten/ in der Kindertagesstätte
Beteiligung im Kindergarten/ in der Kindertagesstätte
Auch jüngere Kinder können mitbestimmen. Es kommt aber immer auf die passende Umsetzung an. Es muss zum Beispiel darauf geachtet werden, dass Kinder andere Themen interessanter und wichtiger finden als Erwachsene. Und es muss eine kindgerechte Sprache verwendet werden. So gibt es noch viele Punkte, die beachtet werden müssen, um Mitbestimmung in Kindergärten erfolgreich umzusetzen.
Deshalb will die Bundesrepublik in Kindergärten das Bewusstsein dafür schaffen und Erzieherinnen und Erzieher dafür ausbilden.
 
Beteiligung in der Schule
Beteiligung in der Schule
Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Schulen ist im Moment nicht ausreichend. Die jetzigen Formen, wie zum Beispiel die Wahl der Klassensprecher und -sprecherinnen und die Wahl der Schülervertretungen, reichen nicht aus.

Oft dürfen diese gewählten Schülerinnen und Schüler nämlich nur in weniger wichtigen Bereichen mitbestimmen.

Es müssen neue Möglichkeiten für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Schulen gefunden werden. Dabei müssen auch die Lehrerinnen und Lehrer mithelfen.
 
Kinder sitzen um einen Tischen und produzieren gemeinsam eine Beteiligung in der Kinder- und Jugendarbeit
Beteiligung in der Kinder- und Jugendarbeit
Zur Kinder- und Jugendarbeit zählen alle Angebote, die außerhalb der Schule für Kinder und Jugendliche da sind.
Zum Beispiel gibt es viele verschiedene Kinder- und Jugendverbände (z.B. die Pfadfinder oder die Jugendfeuerwehr), viele Vereine und andere Zusammenschlüsse von Kindern und Jugendlichen. Hier engagieren sich Jugendliche für gemeinsame Projekte, setzen sich mit wichtigen Themen auseinander und lernen gemeinsam.
In diesen Bereichen organisieren Kinder und Jugendliche ihre Freizeit selbst. Hier können junge Menschen ihre Ideen, Wünsche, Vorstellungen und Interessen genau so umsetzen, wie sie es wollen. Das ist eine ganz direkte Form der Mit- oder sogar Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen.
Deshalb will die Bundesregierung die Kinder- und Jugendarbeit finanziell und strukturell unterstützen.  
Kinder malen mit bunter Kreide auf dem Straßenpflaster Beteiligung in der Stadt und Gemeinde
Beteiligung in der Stadt und Gemeinde
Oft beschränkt sich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden auf wenige Bereiche. Typisch für die Beteiligung sind die Spielplatzgestaltung oder der Jugendtreff. Doch das sind nicht die einzigen Bereiche, in denen junge Menschen etwas zu sagen haben und ihre Meinung wichtig ist. Es gibt sicherlich in allen Gemeinden viel mehr Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen als die zwei oben genannten Beispiele.
Da viele Gemeinden aber keine anderen Ideen haben, wie man junge Menschen an Entscheidungen beteiligt, müssen solche Ideen und Methoden erst entwickelt werden. Dazu hat sich die Bundesrepublik verpflichtet. Denn eines ist klar: Kinder- und Jugendliche beeinflussen die Gestaltung der Stadt und Gemeinde mit ihrer Sichtweise sehr positiv.  
Jugendliche im Bundestag Beteiligung in Land/ Bund/ Europa
Beteiligung in Land/ Bund/ Europa
Die Bundesrepublik verspricht, auf Landes-, Bundes- und Europaebene junge Menschen in politische Entscheidungen mit einzubeziehen. Dazu fördert sie verschiedene Projekte unter anderem vom DBJR und seinen Mitgliedsorganisationen, den Kinder- und Jugendverbänden und auch von anderen Jugendinitiativen.
Dazu wurden in den letzten Jahren einige Projekte und Aktionen ins Leben gerufen. Aktuell gibt es das „Aktionsprogramm für mehr Jugendbeteiligung“. In diesem Zusammenhang kennen einige von Euch sicherlich die Programme „Come in Contract“, „Armut geht alles was an“ oder „YOUrope - YOUvote“. Auch mit der finanziellen Unterstützung für diese Broschüre über den NAP will sich die Bundesregierung daran beteiligen, Kinder und Jugendliche für bundespolitische Themen zu interessieren. Außerdem soll die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an europäischen und internationalen Konferenzen unterstützt und umgesetzt werden.

Themenveranstaltung

Zum Themenbereich "Beteiligung von Kindern und Jugendlichen" fand die Themenveranstaltung "Qualitätsstandards bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen" am 6. November 2009 in Essen statt.
Die Dokumentation der Veranstaltung findet sich sowohl auf den Seiten der Initiative Für ein kindergerechtes Deutschland als auch auf den Seiten des Deutschen Jugendinstituts (DJI).
Hier findet sich zudem das Fazit der Jugendbeteiligung an den Themenveranstaltungen.