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Methoden: Beteiligung von Kindern und Jugend

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Zukunftswerkstatt

Ziel:
Mit der Methode nach Robert Jungk sollen die Teilnehmer/innen kreativ neue Ideen und Lösungsvorschläge entwickeln.

Gruppengröße:
10 - 60 Teilnehmer

Altersgruppe:
8 - 88 Jahre

Ort:
Drinnen

Material:
Viele verschiedenfarbige Moderation- oder Karteikarten, Papierblätter. Bei kleinen Kindern ausreichend Malsachen für alle Kinder. Krepp-Klebeband und/oder Pins. Pinwände oder andere Wände für die Karten und/oder Bilder.

Beschreibung:
Die zentrale Frage dieser Zukunftswerkstatt
ist: Wie und wo möchten Kinder und Jugendliche sich beteiligen? Und wie soll das genau umgesetzt werden?
Dazu kann man konkretere Fragen formulieren:
Welche Rahmenbedingungen sind ihnen bei Mitbestimmungsformen wichtig?
Wer sollte mit dabei sein? Was für eine Stimmung sollte herrschen? Wie lange sollten Mitbestimmungsprozesse dauern? Wie soll mit den Ergebnissen umgegangen werden?
Das sind alles Fragen, die Kinder und Jugendliche sehr gut selbst beantworten können. Deshalb wird hier als Beispiel eine Methode beschrieben, wie man mit Kindern und Jugendlichen diesen Fragen nachgeht und sie gemeinsam beantwortet. Sie ist für Kinder von 9-13 Jahren gedacht, kann aber mit einigen Änderungen auch für Ältere oder Jüngere angewandt werden.
Wichtig für die Planung im Vorhinein:
Es muss klar sein, in welchem Bereich nach passenden Beteiligungsformen gesucht werden soll. Soll für die Gemeinde etwas ausgearbeitet werden oder für das nächste Zeltlager? Steht die Bundespolitik im Mittelpunkt
oder der Sportverein?

Konkreter Ablauf der Zukunftswerkstatt:
1. Kennenlernen und gemeinsam warm werden, zum Beispiel mit einem aktiven Kennenlernspiel.
2. Aktiver Einstieg in das Thema „Beteiligung“
(Kritikphase)
Kinderreporter:
Es werden unterschiedliche Fragen zum Thema Beteiligung gestellt, jedes Kind bekommt
eine Frage. Diese Frage soll es allen anderen Kindern im Raum stellen.
Danach stellt jedes Kind seine Umfrageergebnisse vor. Danach können von der Leitung offene Fragen zu den einzelnen Themen beantwortet werden.
Fragen zu Beteiligung könnten sein:
Hast du schon mal mitbestimmen dürfen?
Wenn ja wo?
Hast du schon mal jemanden gewählt? Wenn ja wen und wo?
Weißt du was Demokratie bedeutet? Wenn ja, kannst du es erklären?
Was könnten Kinder unternehmen, wenn sie mit der Arbeit des Bürgermeisters nicht zufrieden sind?
Hast du schon mal ein Gespräch mit einem Politiker oder einer Politikerin gehabt? Wenn ja über was?
Weißt du was Logo!-Redezeit ist? Kannst du es kurz erklären?
usw.
3. Inhaltlicher Einstieg
Jetzt wird das Thema Beteiligung theoretisch erklärt. Das ist wichtig, damit alle Kinder im Raum denselben Wissensstand haben. In welcher Art und Weise, muss die Leitung selbst entscheiden. Zum Beispiel könnten einfach eine Pinwand benutzt und wichtige Begriffe zur Mitbestimmung dort darauf gepint werden. Bei jedem Zettel wird der Begriff von der Leitung erklärt.
Wichtige Begriffe sind z.B.: Mitbestimmung, Partizipation, Beteiligung, Demokratie, Wahlen, Politik, Gemeinde, Bundesland, Kinderrechte etc.
Außerdem können auch schon bestehende Mitbestimmungsformen genannt und erläutert werden.
Währenddessen muss es immer Pausen geben, damit die Teilnehmer/innen nachfragen können.
4. Fantasie anregen und Ideen sammeln (Utopiephase)
Jetzt sind die Kinder wieder gefragt. Durch eine kreative Methode, z.B. „Alphabeteln“, können die Kinder selbst überlegen, wie und in welchen Bereichen sie Mitbestimmen möchten. Es wird ein Alphabet in Kreisform aufgeschrieben, dazu es gibt eine Spielfigur und einen Würfel. Jedes Kind darf der Reihe nach würfeln und zieht mit der Figur von einem Buchstaben zum Anderen. Mit dem Buchstaben auf dem die Figur landet, dürfen alle anderen ihre Ideen für Mitbestimmungsformen sagen. Zum Beispiel bei dem Buchstaben G könnte dann „Gespräch mit dem Bürgermeister“ oder „Gruppenstunde selbst durchführen“ genannt werden.
Die Leitung schreibt alle Ideen auf kleine Zettel auf und legt sie in die Mitte.
Danach werden alle Zettel angeschaut und ähnliche Themen oder Ideen zusammengelegt.
5. Konkret werden (Verwirklichungsphase)
Jetzt muss aus den Themen aber auch was Konkretes rauskommen. Die Kinder können nun Kleingruppen bilden und zwar soll sich jeder und jede zu dem Thema zuordnen, was sie oder er gerne bearbeiten mag. Dann bekommt jede Kleingruppe einen Zettel mit folgenden Feldern zum Ausfüllen.
Titel der Mitbestimmungsform?
Was soll gemacht werden?
Für wen ist es gedacht?
Wann soll es passieren?
Was für Unterstützung wird benötigt?
Diesen Zettel soll die Gruppe nun ausfüllen.
Die Leitung sollte in den Kleingruppen herumgehen und helfen, wenn Fragen auftauchen.
6. Vorstellen der Ergebnisse
Am Schluss werden alle Fragebögen vorgestellt.
Jetzt ist der Ablauf offen: Wenn nur eine Idee rauskommen soll, dann kann gewählt werden. Wenn alle Ideen als Ideensammlung
wichtig sind, um sie z.B. der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister zu überreichen, dann ist die Zukunftswerkstatt beendet. Schickt eure Forderungen auch in Kopie an das NAP- Projektbüro.
7. Abschluss und Reflexion
Zum Schluss können die Kinder sagen, wie zufrieden sie mit den Ergebnissen sind und wie es ihnen allgemein gefallen hat. Auch dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Zum Beispiel kann man das Stuhl-Spiel machen: Alle Teilnehmer/innen setzen sich auf einen Stuhl. Die Leitung stellt nun Fragen, die die Kinder durch ihre Bewegung beantworten.
Auf den Stuhl stellen bedeutet „super“, normal aufstehen bedeutet „mehr oder weniger“, sitzen bleiben bedeutet „schlecht“.
Fragen könnten sein: Wie hat der ganze Tag dir heute gefallen? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Wie hoch ist deine Motivation, an dem Ergebnis weiter mitzuarbeiten?